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18. Juni 2010

UNICEF-Botschafterin begeistert über Projekt für Schulverweigerinnen: „Einfach phantastisch“

Ann Kathrin Linsenhoff informierte sich über „Mädchen-Pferde-Schule“-Projekt des St. Elisabeth-Vereins
UNICEF-Botschafterin begeistert über Projekt für Schulverweigerinnen: „Einfach phantastisch“

Die Pferde auf dem Reitsporthof in Hermershausen, die Mädchen im Alter von 16 bis 19 Jahre, die sich um die Tiere kümmern, sowie die Mitarbeiterinnen beim Projekt „Mädchen-Pferde-Schule“ des St. Elisabeth-Vereins interessieren die 49jährige Ann Kathrin Linsenhoff weit mehr, als die Besucher, die nur dabei sind, weil eine ehemalige Dressurreiterin – immerhin Olympiasiegerin im Mannschaftswettbewerb 1988 - und heutige UNICEF-Botschafterin zu Gast ist, um sich über das besondere Projekt für Schulverweigerinnen in Marburg zu informieren. Und so fällt ihr Fazit über die Arbeit auf dem Pferdehof im Marburger Stadtteil ihnen gegenüber kurz und prägnant aus: „Es ist einfach phantastisch, was hier mit viel Engagement und Herzblut sowie der Arbeit in der tiergestützten Pädagogik mit Pferden erreicht wird.“

Dabei könnte die 49jährige Linsenhoff eine Menge über ihren persönlichen Hintergrund berichten, mit dem sie das Projekt in Marburg betrachtet: von der Ann-Kathrin-Linsenhoff-UNICEF-Stiftung, den kürzlich gewonnenen Eindrücken aus dem Sudan und der dortigen Schulprojekte ihrer Stiftung, ihrer achtmonatigen Tätigkeit als Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe oder dem Amt der stellvertretenden Vorsitzenden von UNICEF Deutschland, welches sie seit April 2008 innehat.

Detaillierter äußern sich da schon Manfred Brötz und Regine Sachs vom Jugendamt der Stadt Frankfurt, einem nach eigenen Angaben „Hauptbeleger“ des vollstationären Projektes in der Jugendhilfe. Vom Beginn der Zusammenarbeit an, das war 2007 – ein Jahr nachdem das Projekt des St. Elisabeth-Vereins ins Leben gerufen wurde, sei man bei der Behörde begeistert über den Ansatz gewesen, die „Schulverweigerinnen mit dem Medium Pferd zu erreichen“. Und auch aufgrund der Tatsache, dass Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler, die sich im Mai über das Projekt in Marburg informierte, im Dezember eine Rahmenvereinbarung mit dem Hessischen Reit- und Fahrverein getroffen hat, dass durch außerschulische Angebote Schülerinnen und Schüler über „die Arbeit und den Kontakt mit Pferden soziale Kompetenz und Teamfähigkeit erlernen sollen“, wollten sich die Jugendamtsvertreter die Standards noch einmal vor Ort anschauen. Und die Erfolge seien phantastisch angesichts der anfänglich vielschichtigen Problemen bei den zu betreuenden Mädchen. Von den Schulverweigerinnen, die in den vergangenen vier Jahren im Zuge dieses Projektes betreut wurden, schafften nahezu alle den angestrebten Schulabschluss, einige sattelten sogar einen weiteren drauf.

Entstanden ist der Kontakt zur Olympiasiegerin und UNICEF-Botschafterin während des Festhallenreitturnieres in Frankfurt: „Ich habe die Straßenkinder in Kairo besucht und habe mir, als ich die Mädchen des Schulverweigerinnen-Projektes kennenlernte, gedacht, dieses Jugendhilfeprojekt vor Ort möchte ich auch kennenlernen.“

 

Das Projekt „Mädchen-Pferde-Schule“

Das Projekt „Mädchen-Pferde-Schule“ (MPS) wurde im Jahr 2006 von Margret von Pritzelwitz beim St. Elisabeth-Verein ins Leben gerufen. Die Geschäftsbereichsleiterin hatte bis dahin während ihrer langjährigen Arbeit im Mädchenwohngruppenbereich vermehrt vor der Herausforderung gestanden, für Mädchen mit schulverweigerndem Verhalten ein adäquates Betreuungssetting anbieten zu können. Aus dem Anspruch heraus, auch diesen Mädchen Hilfestellungen geben zu können, sowie dem Wissen um die enorme heilpädagogische Wirksamkeit von Pferden gerade bei Mädchen entstand die Konzeption „Mädchen-Pferde-Schule“.

„Mädchen, die die Schule verweigern, erfahren durch Unterstützung des Partners Pferd wieder Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung“, erklärt Alexandra Böth, Projektleitung der MPS-Gruppen. „Die Mädchen bekommen wieder Motivation auf Lerninhalte und arbeiten auf ihr großes Ziel Schulabschluss hin“.

„Mädchen-Pferde-Schule“ ist ein auf zwei Jahre angelegtes vollstationäres Projekt in der Jugendhilfe. Die Mädchen, die sich alle neben ihrer Schulverweigerung in geschlechtsspezifischen Problemlagen befinden, werden nach den Maßgaben geschlechtsbezogener Pädagogik unter Einbeziehung des Mediums Pferd im Rahmen tiergestützter Pädagogik ausschließlich von weiblichen Mitarbeiterinnen betreut. Derzeit leben 16 Mädchen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren in den drei Gruppen „Mädchen-Pferde-Schule“ des St. Elisabeth-Vereins in Marburg.

JJ